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Barbara
Schubert und Sibyll Amthor haben sich vor
fünf Jahren zusammengetan und sind mit der Agentur einfach schön
Design Entwicklungen nach Oberndorf an die Oste
gezogen. Jede hatte für sich den Wunsch, von Hamburg weg aufs Land
zu ziehen. Die Grafik-Designerinnen bezogen mit
ihren Familien und der Agentur zwei ehemalige Pfarrhäuser in der
1600-Seelen-Gemeinde im Landkreis Cuxhaven.
Ein ganzes Bündel guter Gründe hatte für die engere Zusammenarbeit
dser befreundeten Frauen gesprochen – nicht zuletzt die Vertretungsfrage.
„Ich war damals schwanger und konnte nicht einschätzen, was
auf mich zukommt“, erinnert sich Sibyll Amthor. Mit der gegenseitigen
Unterstützung vor allem auch bei der Alltagsorganisation, kürzesten
Wegen in die Agentur und zum Teil ungewöhnlichen Arbeitszeiten
war es ihr damals gelungen, ein deutlich höheres Arbeitspensum
aufrechtzuerhalten, als sie sich hatte vorstellen können. „Ich
habe damals keine Kunden verloren“, erzählt Sibyll Amthor
noch heute erleichtert.
Andere Vorteile der Kooperation: Zusammen können die Grafik-Designerinnen
auch große Kunden akquirieren, bereiten gerade beispielsweise
einen großen Wettbewerb vor. „Das würde man alleine
gar nicht schaffen“, erläutert Barbara Schubert. „Und:
Einfrau-Unternehmen sind für große Kunden auch ein Sicherheitsrisiko.
Denn im Krankheitsfalle läge alles brach.“ Hinzu kommen Synergieeffekte.
Das beginnt beim Maschinenpark, den man sich teilen kann und endet beim
Brainstorming. „Ein Brainstorming macht einfach mehr Sinn, wenn
ein Gehirn mehr dabei ist“, schmunzelt Sibyll Amthor.
Trotzdem war die Zusammenarbeit nicht immer leicht. Sibyll Amthor und
Barbara Schubert kannten sich noch nicht lange, als sie den Schritt
wagten, gemeinsam auf dem Land zu arbeiten. „Am Anfang hat es
öfters gekracht, und jede von uns hat mehr als einmal an den Ausstieg
gedacht“, so Barbara Schubert. „Es war nicht so leicht,
die beruflichen Aufgaben, den Alltag mit Kindern und die gegenseitigen
Erwartungen unter einen Hut zu kriegen.“
Als
Auslöser für die anfänglichen Spannungen machen die beiden
unterschiedliche Erwartungen aus. Da sind Enttäuschungen vorprogrammiert.
„Die Grundthemen sind ähnlich wie in einer Ehe“, erzählt
Sibyll Amthor. So kamen Gefühle von Konkurrenz und Eifersucht auf,
wenn eine erfolgreicher schien. Und es ging auch um unterschiedliche
Bedürfnisse an Nähe und Distanz. Was beide damals nicht wussten:
Auch jede Geschäftsbeziehung durchläuft – wie eine Ehe
– verschiedene Phasen. Nach der anfänglichen “Verliebtheit”
entdeckt man die Verschiedenheit und Schwächen des anderen, bekommt
den Wunsch, den anderen zu ändern usw..
Die Chance von Sibyll Amthor und Barbara Schubert: Sie hatten vorher
vereinbart, sich Hilfe zu holen, sobald der gegenseitige Austausch festgefahren
war. „Wir haben beide keine Hemmschwelle, uns professionell beraten
zu lassen“, betont Barbara Schubert. „Und um uns aus dem
Weg zu gehen, dafür leben und arbeiten wir zu dicht. Probleme lassen
sich da nicht ignorieren.“
Unterschiedliche Auffassungen etwa über den Preis für gemeinsam
abgewickelte Projekte und andere strategische Fragen haben sie strukturell
beim Coaching bei Frau und Arbeit gelöst. Außerdem haben
Sibyll Amthor und Barbara Schubert sich emotionale Unterstützung
bei einer Therapeutin geholt. „Wir haben uns besser kennen gelernt,
Verständnis für einander entwickelt. Wir haben gelernt, dass
wir auch Zeit für den persönlichen Austausch brauchen. Es
reicht eben nicht, nur zusammen im Büro zu sitzen und zu arbeiten“,
sagt Sibyll Amthor.
„Und wir haben nach und nach die Schwierigkeit überwunden,
Konflikte anzusprechen“, ergänzt Barbara Schubert. „Konfliktfähigkeit
muss jeder Mensch lernen. Es braucht Mut, einfach anzusprechen, was
los ist. Und es geht darum, eine passende Form dafür zu finden.
Wir haben geübt – und üben immer noch – relativ
spontan zu sagen, wenn etwas nicht passt.“
Im Vorfeld hatten Sibyll Amthor und Barbara Schubert vertraglich vor
allem geklärt, was passieren würde, wenn sie sich trennen
würden. Und sie hatten gemeinsame Geschäftsbedingungen ausgearbeitet.
„Auch wenn es damals theoretisch war, ist das eine wichtige Grundlage“,
betont Sibyll Amthor. „Denn so musste keine von uns Angst haben,
im schlimmsten Fall übervorteilt zu werden.“
„Wir sind schon relativ rosig an die Sache herangegangen“,
erinnert sich Barbara Schubert. „Aber es lässt sich sowieso
nicht alles vorher klären. Keine wusste, an welchen Punkten es
krachen würde. Und die Euphorie, die großen Visionen zu Anfang,
die haben ja auch ein großes Potential.“
„Wichtig war unsere Bereitschaft, uns beraten zu lassen und offen
zu bleiben für Korrekturen“, fasst Sibyll Amthor im Rückblick
zusammen. „Und wie in jeder zwischenmenschlichen Beziehung ernst
zu nehmen, wieviel Abstand und Nähe wir teilen wollen und teilen
können“, resümiert Barbara Schubert. Und beide sind
sich längst einig, dass ihre Freundschaft und Arbeitsbeziehung
Energie braucht und sie ihr Zeit geben möchten.
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